Julia Grey is a South African artist working predominantly in the medium of collage and mixed media installation. Her book Cape Town, an illustrated poem (Struik Publishing. 2005) is a full colour art journal; part travelogue and part personal manifesto involving collage, illustrations and poetry. The book is a work of self-discovery; documenting the impressions, visuals, questions and growing pains of a young person coming of age during the South African transition.

Following on from Cape Town, an illustrated poem, Julia continues to use art as a vehicle to contain emotional processing. Where that processing enters the realm of the political, Julia is interested specifically in ‘the breakdown of privilege’ as a personal narrative and requisite process for building bridges on a social level. 

 

In Intaka yakha ngoboya benye, Julia weaves imagery suggesting the relationship between striking mineworkers in South Africa and the members of a middle/upper class who live in an economy built on the back(s) of colonialism. The work hints at the neo-colonialism that still exists in capital flight, massive income inequality and foreign control over African resources. More importantly in this instance, it highlights the remnants of imperial injustice that still exist in conversation and in personal psychology. 

 

Intaka yakha ngoboya benye

 

mixed media installation including Miner's Shot Sown (2014) Documentary detailing events leading up to the Marikana massacre, directed by Rehad Desai. Used with kind permission

 

Artist : 

 

Julia Grey  (South Africa)  

 

2014 / 07

Florian Bong-Kil Grosse (* 1977) lives and works in Berlin. His photographs are characterized by the careful observation and representation of urban spaces. In a subjective, essayistic way, he manages to attribute meaning and importance to banal situations and everyday phenomena. In addition to biographical references, he articulates questions about origin, identity and self-determination.
Grosse was adopted to Germany in the late 1970s and only returned to his native country of Korea as an adult. Since then he has reflected on his complex relationship with Korea in a series of works, including “Ajeossi”: From the point of view of the foreign returnee, he explores everyday life there, less documenting than almost poetically describing. In this way, he delineates the image of a country and its people, to which his perspective is inscribed and thus accessible to the viewer - regardless of whether the subject is foreign or familiar.
The presentation of Grosses “Ajeossi” in the windows of the AFF gallery forms the first part of the Boys Do Cry curatorial series, which is dedicated to the close examination and (re)negotiation of concepts of masculinity. Specifically, the identity node of masculinity and the origin from different regions of Asia is at the center of the considerations of the participating artists, who themselves have backgrounds in Asia and today mostly live in Berlin. In their works, they deal primarily with questions of identity, racism, and societal situatedness along the axes of gender, origin and status.
Boys Do Cry is organized by SOMA Art Space, with kind support of the Senate Department for Culture and Europe Berlin.


 

Im Koreanischen bezeichnet „Ajeossi“ einen älteren Mann, wobei „älter“relativ zum Alter der Person ist, die das Wort benutzt. Für Schüler und Schülerinnen kann schon ein Mittzwanziger ein Ajeossi sein, Studierende nennen vielleicht einen verheirateten Mann über vierzig so. Die älteren Männer, die Florian Bong-Kil Grosse in seinen Fotografien umkreist, sind größtenteils jenseits der sechzig und damit in einem Alter, das sie für uns alle zu Ajeossis macht.

Bei seinen Besuchen in Seoul zog es Grosse während der vergangenen zehn Jahre immer wieder in die Umgebung des Pagoda-Parks. Der beliebte Ajeossi-Treffpunkt liegt im Jongno-Viertel, geografisch zwar im Zentrum der Stadt – ehemalige Königspaläste wie auch heutiger Regierungssitz sind in Laufweite –, doch gleichzeitig eine Welt für sich. In den Gassen zwischen den Straßenschluchten, mit ihren Bürohäusern und Barbiersalons, den kleinen Läden und dem mehrstöckigen Nakwon-Musikmarkt, und natürlich im Park selbst entstanden zahlreiche Bilderserien. Die Auswahl, die der SOMA Art Space nun zeigt, bietet Einblicke in den Alltag der Ajeossis. Noch mehr jedoch stellen die Fotos unsere Vorstellungen vom Altern auf den Prüfstand.

Zwar sehen wir auch müde Blicke, ergrautes Haar und aus der Mode gekommene Hemden, doch einen vereinsamten oder dem sozialen Leben entfremdeten Eindruck machen die Ajeossis auf Grosses Bildern nicht. Natürlich sind auch solche Fälle in der schnell alternden Gesellschaft Koreas keine Seltenheit. Doch streng dokumentarisch sind die Fotos offenbar nicht gemeint, auch wenn der Titel an eine Milieustudie erinnern mag und der Ajeossi sich als randständige Existenz dafür durchaus anbieten würde. Dem widerspricht jedoch die deutliche Gemachtheit der Bilder, nicht zuletzt ihre klare Komposition.

Oft über die Schulter aufgenommen, manchmal durch die Kadrierung ihres Kopfes entledigt, bleiben viele der Ajeossis gesichtslos. Austauschbar oder gar repräsentativ wirken sie dabei jedoch nicht. Im Mittelpunkt steht weniger wer sie sind, als was sie tun. Man blickt ihnen sozusagen über die Schulter, als ob man bei ihren Tätigkeiten zuschauen könnte, doch was sie tun bleibt oft der Phantasie überlassen. Die anonymen Rücken und ausrasierten Nacken der abgewandten Ajeossis, ob in ihr Spiel vertieft, an der Ampel wartend oder ohne klaren Grund hintereinander stehend, erwecken den Anschein einer verschworenen Gemeinschaft, die eigenen Regeln folgt.

In anderen Bildern treten dagegen Individuen auf, stehen für einen Moment im Rampenlicht, auch wenn sie tatsächlich nur – wie jeden Tag? – die Treppe aus der U-Bahn hinaufsteigen oder eine Straße überqueren. Grosse zelebriert die Ajeossis hier in all ihrem verblassenden Glanz. Daneben dekonstruiert er die Selbstinszenierung, indem er nicht nur ihre Darbietung, sondern auch die Kostüme und Accessoires präsentiert. Der Anzug von der Stange, Uniform des Angestellten, funktioniert auch nach der Pensionierung als Statussymbol und kündet von Jahren des Büroalltags, während Jeans und Sneakers als Symbol neugewonnener Freiheit taugen. Ein golden glitzerndes Bühnenoutfit im Schaufenster, vielleicht vom nahen Musikmarkt, erzählt von fernen Träumen, flüchtig wie die Schlagermusik, die im Park zu hören sein wird.

Wie die Ajeossis selbst sind Grosses Fotos wortkarg und haben in ihrer Klarheit etwas nostalgisches. Sie liefern einen Kontrast zum tendenziell schlechten Image des gemeinen Ajeossis, der raucht, trinkt und auf den Bürgersteig ausspuckt, gern Befehle bellt und schlechte Witze zum Besten gibt. Grosse präsentiert nicht nur das Porträt einer Generation, deren Tage gezählt sind, und skizziert wie nebenbei eine emotionale Landkarte des Stadtviertels. Vor allem wirft der Fotokünstler einige lautlose Schlaglichter auf ein routiniertes Rollenspie und erhöht es so zum Schauspiel. Er hat die Ajeossis nicht von Seoul nach Berlin mitgebracht, um von ihnen zu erzählen, sondern bietet ihnen hier ein neues Schaufenster für ihre Taten. Das Altersheim kann warten.


TEXT :  Jan Creutzenberg

Florian Bong-Kil Grosse  'Ajeossi'  AFF Galerie Berlin

© 2020 by SOMA ART SPACE BERLIN. Where current topics are being discussed with/in Art

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